DEFINITION UND SI PROZESS

Anna Jean Ayres (1920-1988), eine amerikanische Ergotherapeutin und Entwicklungspsychologin, widmete sich in ihrem Leben der Entwicklung und Genese von Wahrnehmungsproblemen bei Kindern. Sie ist Autorin von dem Begriff der „Sensorischen Integration“.

Jean Ayres beschreibt Sensorische Integration als „einen unbewussten Prozess, bei dem die verschiedensten Sinnesinformationen geordnet und verarbeitet werden. Dies führt dazu, dass der Mensch entsprechend der Situation zweckmäßig und adäquat reagieren und handeln kann“.

Alle Reize als Informationen von außen (von der Umwelt z.B. Berührung, akustischer Reiz) aber auch vom eigenen Körper (z.B. von den Muskeln) werden zuerst im Gehirn erkennt, registriert, sortiert, verarbeitet, gespeichert, koordiniert und mit vorhandenen Erfahrungen verknüpft, damit ein Verhalten oder eine Reaktion eines Menschen sinnvoll und angemessen werden kann.

Die Entwicklung der Sinne beginnt schon sehr früh im Mutterleib. Bereits zum Ende der 8. Schwangerschaftswoche nehmen fünf Sinne ihre Arbeit auf: Tastsinn, Gleichgewichtssinn, Geschmackssinn, Eigenwahrnehmung und das Gehör. Mit der Geburt sind dann schließlich alle Sinne arbeitsbereit.

Kleinkinder benötigen die ersten sieben Lebensjahre, die Welt und ihre Zusammenhänge kennenzulernen und zu verstehen. In dieser Zeit entwickeln sich die Prozesse der sensorischen Integration am meisten.

Der eigentliche Prozess der sensorischen Integration kann nicht beobachtet werden. SI entwickelt sich hauptsächlich durch „anpassende Reaktion“. Die Auswirkungen gelungener oder misslungener Sensorischer Integration können durch die Qualität von Bewegungen und Verhalten beobachtet werden.

Wenn ein Kind in einer bestimmten Situation passend handelt, kann man davon ausgehen, dass sein Gehirn die Situation erfassen und die Information angemessen verarbeiten kann.

Wenn ein Kind, bei dem die Reize zu viel stark oder zu schwach aufgenommen werden, fällt ihm die Verrichtung schwer.

GRUNDSINNE

Die Sinne entwickeln sich quasi in Form von Bausteinen und in einer bestimmten Reihenfolge.

Zuerst entwickeln sich diese Sinne, die Informationen über den Körper liefern – Nahsinne. Bei den Nahsinnen besteht ein unmittelbarer Kontakt des Körpers mit der Reizquelle.

Auf diesen Bausteinen bauen sich im weiteren Prozess der Entwicklung die Sinne auf, die Informationen aus der Umwelt liefern – Fernsinne.

  • Zu den Nahsinnen gehören:
  • das vestibuläre System = Gleichgewichtssystem
  • das propriozeptive System = Tiefen- oder Eigenwahrnehmung
  • das taktile System = Berührungssinn
  • Zu den Fernsinnen gehören:
  • Hören
  • Sehen
  • Riechen
  • Schmecken

Die drei Basissinne Tiefensinn, taktiler Sinn und Gleichgewichtssinn – sind sensorisch die wichtigsten Sinne und man kann sie mit den Wurzeln eines Baumes vergleichen. Fehlt hier eine Grundlage, so ist die Entwicklung des gesamten Baumes bis in die Baumkronen geschwächt.

DIE SENSORISCHEN GRUNDSINNE

das vestibuläre System Gleichgewichtssystem

Das vestibuläre System hat seinen Sitz direkt im Innenohr.

Die Rezeptoren unseres Gleichgewichtssinns arbeiten pausenlos und reagieren auf die Schwerkraft sowie jede schon kleinste Lageveränderung des Körpers. Sie teilen uns genau mit, wo wir uns im Raum befinden, ob wir uns bewegen oder wir stillstehen, in welcher Position sich unser Kopf befindet, ob unsere Bewegung schnell oder langsam ist oder in welche Richtung wir gehen.

Jede Änderung der Kopfposition stimuliert die vestibulären Rezeptoren.

Die Gleichgewichtsrezeptoren können als „Kommunikationszentrale“ betrachtet werden, die Verbindungen zu Muskeln, Gelenken, Haut, Augen und Ohren schafft.

Das Gleichgewichtssystem ist stark mit dem propriozeptiven System verbunden.

das propriozeptive SystemTiefenwahrnehmung

Die Informationen des Vestibularsystems haben zwar eine grundlegende Bedeutung für unsere Bewegungen, doch sie reichen allein nicht aus, um Fortbewegung zu ermöglichen. Das Gehirn benötigt also noch weitere Informationen aus unserem propriozeptiven System.

Die Rezeptoren befinden sich in unzähligen Muskeln Sehnen und Gelenken im Körper.

Eine gute Propriozeption ist notwendig, um besser eigenen Körper zu fühlen, um Dinge auch ohne visuelle Kontrolle ausführenzu können.

Die richtig funktionierende Propriozeption gibt uns:

  • Körperbewusstsein
  • Haltungsstabilität
  • Bewegungskontrolle und Kraftdosierung
  • Bewegungsplanung 
  • emotionales Sicherheitsgefühl

das taktile System Berührungssinn

Um eine optimale Körperempfindung zu erhalten, braucht das Gehirn noch zusätzliche Informationen aus der Umgebung, die ihm das taktile System liefert.

Als DIE MUTTER VON ALLEN SINNEN genannt. Es entwickelt sich auch bereits im Uterus und es ist das als erstes ausgebildete Sinnessystem. Das ist das größte Sinnessystem des Menschen, da die Berührungsrezeptorenden gesamten Körper bedecken.

Diese Sinnesrezeptoren reagieren auf Berührung, Druck, Oberflächenbeschaffenheit, Temperatur und Schmerz. Über die taktilen Informationen wird das Gehirn darauf aufmerksam gemacht, ob ein Reiz gefährlich, ungefährlich, angenehm oder unangenehm ist.

Den meisten Rezeptoren haben wir auf den Händen, dem Mund und den Füßen.

Das taktile System ist sehr individuell, jeder nimmt Reize unterschiedlich stark wahr bzw. toleriert Reize unterschiedlich.

DIE URSACHEN DER SENSORISCHEN INTEGRATIONSSTÖRUNGEN

Wie schon früher erwähnt wurde, werden durch die Sinnessysteme Informationen aufgenommen, die im Gehirn verarbeitet und verknüpft werden, sodass wir angemessen reagieren und handeln können. Bei einer sensorischen Integrationsstörung können die Sinneseindrücke jedoch nicht richtig aufgenommen und verarbeitet werden. (Ein Kind nimmt beispielsweise propriozeptive Reize nicht wahr, es weiß nicht, in welcher Stellung sich sein Körper befindet).

Während normalerweise alle Sinnesinformationen automatisch und unbewusst verarbeitet werden, müssen sich Kinder, die unter einer sensorischen Integrationsstörung leiden, aktiv darauf konzentrieren. Das hat wiederum einen negativen Einfluss auf das reibungslose Funktionieren im Alltag.

Die Ursachen für die Störungen in der Wahrnehmung können sowohl angeboren sein als auch durch die Umwelt hervorgerufen werden:

  • Infektionen in der Schwangerschaft
  • ein Sauerstoffmangel bei der Geburt
  • Frühgeburt
  • minimale Hirnblutungen
  • Mangel an Sinnesreizen vor und nach der Geburt
  • Unzureichende Stimulation (Spiel, Bewegung, Interaktion) – Kinder haben eingeschränkte soziale Kontakte und wenig Bewegungs- und Materialerfahrung können machen.

Normalerweise – der Prozess, bei dem die Verarbeitung der Reize angepasst und ausbalanciert wird, bedeutet, dass es nicht zu einer zu sehr gesteigerten oder reduzierten Weiterleitung kommt. Man muss jedoch nicht vergessen, dass es viele andere Faktoren gibt, die einen Einfluss auf diesen Prozess haben. Er ist auch von natürlichen Schwankungen abhängig, z.B. morgens, abends, bei Krankheit, bei genügender oder ungenügender Schlafdauer usw.

DIE SENSORISCHEN INTEGRATIONSSTÖRUNGEN

Störungen der Basissinne zeigen sich durch eine Über- oder Unterempfindlichkeit bei der Reizaufnahme bzw. Reizverarbeitung. Das führt dazu, dass die Kinder durch die Über- oder Unterreaktionen nicht angemessen auf Situationen reagieren können. Das Gehirn reagiert zu schwach oder zu stark auf einen ankommenden sensorischen Reiz.

Überempfindlichkeit beschreibt die überempfindliche und unangemessen starke Aufnahme von Reizen. Das Gehirn ist nicht in der Lage, diese Reize zu sortieren. Kinder mit einer Überfunktion versuchen Reize zu vermeiden. Emotionale Reaktionen wie Ängstlichkeit können häufig beobachtet werden.

Unterempfindlichkeit beschreibt die zu schwache und unzureichende Aufnahme von Reizen. Bei einer Unterfunktion werden Reize nicht oder mangelnd wahrgenommen. Damit der Reiz wirkt, damit das Kind darauf reagiert, muss er sehr stark sein.

  • Passive Unterempfindlichkeit – das Kind braucht einen von außen Reiz, um aktiv zu sein, für solches Kind ist alles langweilig
  • Aktive Unterempfindlichkeit – das Kind als ein Sucher – es sucht allein nach einer Stimulation, es will ständig mehr und mehr

Man muss nicht vergessen, dass jeder Sinn durch Informationen der anderen Sinne verstärkt, verändert oder beeinflusst wird. Die Probleme bei Kindern treten also sehr selten nur in einem Bereich auf. In den meisten Fällen gibt es Symptome aus verschiedenen Wahrnehmungsbereichen.

Das Verstehen der Sinne ist unerlässlich, wenn wir solche Kinder unterstützen wollen, für die die Welt keinen Sinn ergibt und ein unklares Konstrukt ist und die deshalb Schwierigkeiten im Alltag, beim Lernen und in ihrem Verhalten haben.

Gleichgewichtssystem Unterempfindlichkeit

Es gibt zwei Arten von Störungen des Gleichgewichtsystems: Gleichgewichtsreize werden entweder vermindert oder verstärkt an das Gehirn weitergeleitet.

Das Gehirn hemmt die ankommenden vestibulären Reize, deshalb erhalten die Kinder keine realistische Rückmeldung über die Intensität des Reizes und überspielen sie sie durch Schnelligkeit.

  • Kinder mit einem unterempfindlichen Gleichgewichtssystem:
  • sind stets in Bewegung (schaukeln, drehen, springen, hüpfen, laufen, kriechen)
  • fahren Karussell und Achterbahn ohne, dass es ihnen schlecht oder schwindelig wird
  • können nicht ruhig über längere Zeit auf einer Stelle sitzen bleiben
  • sind oft sehr leichtsinnig und übermütig, haben vor nichts Angst und probieren alles aus
  • haben keine Gefahreneinschätzung
  • erscheinen unaufmerksam, verträumt, können sich nur schwer konzentrieren
  • stolpern häufig

Gleichgewichtssystem Überempfindlichkeit

Die Ursache der Überempfindlichkeit liegt in einer erhöhten Sensibilität gegenüber den Reizen. Es kommt zu einer mangelhaften Hemmung, so dass das Gehirn mit Reizen überflutet wird und schon bei den geringsten Bewegungen überfordert ist.

Anders als bei unterempfindlichen Kindern, kompensieren gleichgewichtsüberempfindliche Kinder ihr Defizit durch ein möglichst geringes und langsames Bewegungsausmaß.

  • Kinder mit einem überempfindlichen Gleichgewichtssystem:
  • vermeiden jegliche Gleichgewichtsstimulation, Bewegungen und Lageveränderungen, wie z.B. Schaukeln, Wippen, Klettern, Hüpfen und Springen (wo muss man balancieren)
  • vermeiden Spielplätze
  • haben große Angst zu fallen
  • zeigen trotz geringer Stimulation Anzeichen wie Übelkeit, Blässe, Schwindel
  • vermeiden Bewegungsspiele
  • können unter Reiseübelkeit leiden
  • gehen auf Zehenspitzen
  • haben Angst vor dem Fahrstuhl

PropriozeptionUnterempfindlichkeit

In der Tiefenwahrnehmung scheint es nur eine Unterempfindlichkeit zu geben.

Je schlechter die Tiefeninformation entwickelt ist, desto schlechter ist die Wahrnehmung im Raum in Bezug zu Menschen und Gegenständen.

Bei Kindern mit einer unterempfindlichen propriozeptiven Wahrnehmung wird das Gehirn mit ungenauen und unklaren Informationen versorgt. Solche Kinder müssen also mehr auf ihr visuelles System verlassen. Wenn sie ihre Bewegungen nicht mit den Augen verfolgen können, wissen sie kaum, wo sich ihre Gliedmaßen befinden oder wie viel Kraft sie für bestimmte Handlungen oder Bewegungen aufwenden müssen. Dadurch sind sie nicht in der Lage ihre Bewegungen fließend auszuführen.

  • Kinder mit einer unterempfindlichen Propriozeption:
  • haben schlechte Haltung, schwachen Muskeltonus (stützt Kopf beim Sitzen ab, stolpert)
  • erleiden dementsprechend häufiger Unfälle
  • rutschen beim Sitzen ständig auf seinem Stuhl hin und her, nur um sich dadurch zu versichern: Ich sitze.
  • haben motorische Unruhe („Zappelphilipp“)
  • wirken ungeschickt, tollpatschig
  • haben Schwierigkeiten in der Kraftdosierung (fühlt keinen Unterschied zwischen leicht und fest)
  • arbeiten langsamer, oft ineffektiv
  • mögen sich schmiegen
  • stoßen unabsichtlich andere Kinder oder Gegenstände an
  • spielen / hantieren gerne mit schweren Gegenständen

BerührungssinnUnterempfindlichkeit

  • Hautunterempfindliche Kinder:
  • merken nicht, wenn sie schmutzig sind (z.B. beim Essen, auf den Händen)
  • registrieren flüchtige Berührungen nicht
  • reagieren auf Unfälle oder Verletzungen nicht (sind eher schmerzunempfindlich)
  • zeigen keine innere Lust mit Spielzeugen zu spielen
  • sind ungeschickt beim Manipulieren mit kleinen Dingen
  • suchen nach massiven Berührungsreizen (kneifen, beißen oder kratzen)
  • sie müssen alles berühren (am meisten nehmen sie viele Dinge in den Mund)
  • lieben sogenannte Kontaktsportarten
  • gehen überall barfuß

Taktil unterempfindliche Kinder besitzen quasi eine „dicke Haut“ und erfahren eine zu große Grenze zwischen Körper und Umwelt. Dies kann sich darin ausdrücken, dass ihr Hautsystem sie nicht ausreichend vor Gefahren warnt und schützt.

Gleichzeitig scheinen diese Kinder an Berührungsangeboten nie „satt“ zu werden, sie lieben zu matschen, zu schmieren und vermeiden weder glibberige noch modrige Konsistenzen.

BerührungssinnÜberempfindlichkeit

  • Hautüberempfindliche Kinder:
  • vermeiden Berührungen und berührt zu werden
  • haben eine sehr niedrige Schmerzschwelle
  • ertragen unabsichtliche, leichte Berührungen sehr schwer
  • ertragen Dreck auf der Haut schlecht
  • gehen nicht gern barfuß (über Gras, Sand, Steine)
  • tolerieren nur bestimmte Materialien und bevorzugen ausgewählte Oberflächen (tolerieren keine Wolle auf der Haut, haben Lieblingshemden)
  • mögen es nicht, an- und ausgezogen zu werden (Reibung auf der Haut)
  • mögen nicht Haare waschen, kämmen, abschneiden, Zähne putzen
  • mögen lieber berühren als berührt zu werden
  • spielen lieber alleine
  • möchten in der Gruppe immer am Ende stehen, möchten anderen Kindern keine Hand geben
  • leiden teilweise unter allergischen Hautreaktionen

Kinder mit einem überempfindlichen taktilen System reagieren abwehrend auf verschiedene Berührungsreize und sind emotional sehr unsicher. Sie haben auch eine Tendenz, negativ und zu emotional auf Berührungsreize zu reagieren.

Das taktile System ist ständig übererregt und warnt ununterbrochen vor Gefahren, die in Wirklichkeit keine sind. Als Folge versuchen sich die Kinder vor jeglichen Berührungen zu schützen und spielen mit den anderen Kindern nicht und isolieren sich vor der Gruppe und am Ende haben sie wenig Freude.

Kinder, die kneifen, beißen oder kratzen, werden auch vor der Gruppe isoliert, weil niemand mit solchen Kindern spielen will. 

Es kommt also in beiden Fällen zu Konflikten in den sozialen Beziehungen. Es ist deswegen wichtig, an diesem Tastsinn zu arbeiten, um den Kindern das Leben in der Berührungswelt zu erleichtern. Sie hat einen großen Einfluss auf das spätere gesellschaftliche Funktionieren.

ZUSAMMENFASSUNG

Das waren nur Musterreaktionen, die von sensorischen Störungen zeigen können aber nicht müssen.

Wenn viele von diesen Reaktionen vorkommen und sie tatsächlich das Handeln des Kindes im Alltag desorganisieren, ist es ein Signal für den Kindergartenlehrer, mit den Eltern darüber zu sprechen und zu signalisieren, es ist ratsam, das Kind mehr zu beobachten und vielleicht eine SI Diagnose zu machen.

Es geht nur darum, dem Kind zu helfen, damit es später in der Lage wäre die Reize richtig zu empfinden, lernen zu können, zu Schulpflichten und zu allen damit verbundenen neuen Erfahrungen bereit zu sein.  

Sensorische Integration spielt für Kinder von Anfang an eine zentrale Rolle. Ein Kind nutzt seine Erfahrungen, um Neues zu lernen. So entstehen Verknüpfungen im Gehirn und der Erfahrungsspeicher wird größer.

Für eine gleichmäßige Entwicklung aller Fertigkeiten ist es wichtig, die verschiedenen Sinnesbereiche anzusprechen und die Umwelt so zu gestalten, dass das Kind die Möglichkeit hat, weitreichende Erfahrungen zu sammeln.

Die heutige Umwelt bietet Kindern häufig jedoch nur eine einseitige Überbelastung mit optischen und akustischen Reizenund gleichzeitig einem Mangel an Bewegungserfahrungen an.

Dieser Sachstand raubt den Kindern die Chance, sich ihre Umwelt durch Neugier und Risikobereitschaft zu erobern. Kinder brauchen Bewegung und Sinneserfahrungen, um ihren Körper kennenzulernen, Grenzen auszutesten und ihr Körpergeschick zu entwickeln.

Je genauer Eltern, PädagogInnen und all jene Menschen, die mit Kindern zu tun haben, den kindlichen Entwicklungsverlauf kennen und je differenzierter und umfangreicher sie gelernt haben, das kindliche Verhalten zu beobachten, desto leichter können sie die Kinder in ihrer alltäglichen Umwelt anregen und unterstützen.

Die durch „Wissen“ veränderte Einstellung der Eltern und PädagogInnen lässt im Alltag mehr Erfahrungsräume entstehen. Die vorhandenen werden zudem deutlicher als solche wahrgenommen und können für sensorisch-integrative Prozesse genutzt werden.

Kinder brauchen einen lust- und sinnvollen, nicht überladenen Tagesablauf. Und vor allem brauchen sie Zeit und Raum zum spontanen Spielen.

Alle Störungen (z.B. Überempfindlichkeiten) müssen zu jeder Zeit respektiert und ernst genommen werden. Man sollte die Kinder ständig nicht ermahnen (z.B. pass auf, nicht so fest). Kinder mit Wahrnehmungsstörungen sind schnell überfordert. Man darf sie nicht antreiben. Man fordert gewisse Aktivitäten nicht ein (z.B. bei Überempfindlichkeit Kind auf Rutsche heben).

Der Wunsch, aktiv zu werden, etwas zu tun, muss vom Kind kommen, auch wenn diese Tätigkeit zuvor nicht erfolgreich durchgeführt werden konnte. “Am intensivsten kommt eine Integration von Sinneseindrücken zustande, wenn das Kind von sich aus einem bestimmten Reiz wünscht und eine Tätigkeit einleitet, durch die es die gewünschten Empfindungen erhalten kann”.

Kinder sind häufig von den Reizen überfordert und das Interesse an den Spielen geht meist auch schnell verloren. Sie sind häufig in ihren Spielen sehr eingeschränkt oder wenig interessiert. Gerade das Spiel ist eine wichtige Basis für die Entwicklung. Kinder erleben im Spiel sich selbst, folgen dem inneren Antrieb und erlernen viele Handlungskompetenzen (Reihenfolgen einhalten, Regeln befolgen, Kraftdosierung).

Das Spielzeug sollte also einen Aufforderungscharakter besitzen und die Kinder zum Experimentieren und Variieren einladen. Man sollte solche Aktivitäten anbieten, in denen das Kind seine Bewegungen, seinen Krafteinsatz und Tempo ausprobieren und anpassen lernen kann (z.B. ziehen, schieben, tragen von schweren Gegenständen, Kneten von unterschiedlichen Materialien, Seilziehen, Trampolinspringen, Klettern, Hindernisbahn).

Für die Kindergartenlehrer ist es wichtig, die Kinder zu beobachten und schon vorbeugend die Reize der Kinder anzusprechen. Dies hilft nicht nur Kindern, die Probleme mit ihrer Wahrnehmung haben, sondern auch „normal” entwickelten Kindern – besonders jetzt, wenn sie in einer sinnesfeindlichen Welt leben.

Quellen: